Wird das eigene Auto überflüssig? Autonome Flotten & Carsharing der Zukunft
Autonomes Fahren

Wird das eigene Auto überflüssig? Autonome Flotten & Carsharing der Zukunft

7 Min. · Stand: 12.07.2026

Warum plötzlich alle über das Ende des eigenen Autos reden

Wer heute über ein Elektroauto nachdenkt, stellt sich zunehmend eine zweite Frage: Lohnt sich der Kauf überhaupt noch, wenn in wenigen Jahren autonome Flotten durch die Städte fahren? Diese Frage ist keine Zukunftsmusik mehr. In den USA, in China und zunehmend auch in Europa entstehen gerade Angebote, die klassisches Ride-Hailing ablösen sollen: fahrerlose Taxis, sogenannte Robotaxis, die per App gerufen werden und ohne menschlichen Fahrer ans Ziel bringen. Für Besitzer und Interessenten von Elektrofahrzeugen ist das relevant, weil sich damit die Grundrechnung des Autobesitzes verschiebt: Wie viele Kilometer muss man tatsächlich selbst fahren, damit sich ein eigenes Fahrzeug samt Anschaffung, Versicherung, Wartung und Ladeinfrastruktur noch rechnet, wenn die Alternative auf Knopfdruck vor der Tür steht?

Vom Nischenprodukt zur Massentechnologie

Noch vor wenigen Jahren wirkten selbstfahrende Autos wie ein Experiment einzelner Technologiekonzerne. Inzwischen ist daraus ein handfestes Wirtschaftsthema geworden, das Analysten, Autohersteller und Mobilitätsanbieter gleichermaßen beschäftigt. Der Grund liegt in der Kombination aus sinkenden Sensorkosten, wachsender Rechenleistung für autonomes Fahren und Milliardeninvestitionen etablierter Player. Das macht die aktuelle Marktentwicklung zu einem der spannendsten Trends rund um die Zukunft der individuellen Mobilität, und damit auch rund um das Elektroauto selbst, denn die allermeisten Robotaxi-Flotten fahren elektrisch.

Quelle: Financial Times – How robotaxis will reshape the ride-hailing market | FT

Was die Analyse von Financial Times über den Robotaxi-Markt zeigt

Wird das eigene Auto überflüssig? Autonome Flotten & Carsharing der Zukunft
Goldman Sachs prognostiziert bis 2035 rund 6 Millionen Robotaxis weltweit, ein Markt von 400 Milliarden US-Dol

Wie rasant sich dieser Wandel vollziehen könnte, zeigt die Analyse des Senders Financial Times, die die wichtigsten Marktzahlen und Akteure rund um Robotaxis einordnet. Die zentrale Botschaft: Aus einer Nischentechnologie mit wenigen tausend Fahrzeugen könnte binnen eines Jahrzehnts ein Massenmarkt werden.

Vom Pilotprojekt zum Milliardenmarkt

Laut Prognosen, unter anderem von Goldman Sachs, fahren aktuell weltweit erst rund 7.000 Robotaxis im echten Betrieb. Bis 2035 sollen daraus bis zu 6 Millionen Fahrzeuge werden, die zusammen einen Markt von etwa 400 Milliarden US-Dollar bilden. Getrieben wird dieser Wandel von drei großen Anbietern, die jeweils unterschiedliche Strategien verfolgen: Waymo als Marktführer in den USA, Tesla mit einem auf niedrige Hardwarekosten ausgelegten Ansatz sowie Baidu mit seinem Dienst Apollo Go, der in China bereits in großem Maßstab läuft. Einen Überblick über weitere internationale Anbieter liefert der Vergleich zu Cruise, Zoox und Baidu Apollo Go.

Waymo fährt bereits im großen Stil

Am weitesten fortgeschritten ist demnach Waymo: Der Dienst kommt in den USA inzwischen auf über 500.000 bezahlte Fahrten pro Woche, verteilt über zehn Metropolregionen. Das ist kein Testbetrieb mehr, sondern ein Massengeschäft, das klassischen Taxi- und Ride-Hailing-Diensten reale Marktanteile abnimmt. Wie genau dieser Übergang vom fahrergestützten Ride-Hailing zum vollautonomen Betrieb funktioniert, zeigt sich auch daran, dass Waymo seinen Dienst mittlerweile ohne Sicherheitsfahrer auf dem Beifahrersitz betreibt, also im echten fahrerlosen Regelbetrieb.

Warum die Kostenkurve die entscheidende Größe ist

Der wirtschaftlich entscheidende Punkt in der Analyse betrifft die Kosten pro gefahrener Meile. Aktuell liegen sie laut McKinsey-Berechnungen bei rund 8 US-Dollar. Bis 2035 sollen sie auf etwa 1,32 US-Dollar fallen, weil Fahrzeuge ohne menschlichen Fahrer betrieben werden und Hardware sowie Software günstiger werden. Damit könnten Robotaxis erstmals günstiger sein als ein eigenes Auto, sobald man Anschaffung, Wertverlust, Versicherung und Wartung gegenrechnet. Einen konkreten Rechenweg für diesen Vergleich liefert der Beitrag Kosten-Vergleich: Robotaxi vs. eigenes Auto vs. Taxi, während die Ausgangsgrößen für das eigene Fahrzeug im Beitrag Elektroauto Kosten im Überblick zusammengefasst sind.

Besonders anschaulich wird das an einem Beispiel aus der Analyse: In Großstädten wie Washington D.C. lohnt sich ein eigenes Auto künftig laut Berechnungen erst ab etwa 7.500 gefahrenen Meilen pro Jahr, während die Schwelle bei klassischen fahrergestützten Diensten bislang bei rund 2.000 Meilen lag. Wer wenig fährt, für den kann ein eigenes Fahrzeug damit wirtschaftlich zunehmend uninteressant werden, zumindest in Regionen mit dichtem Robotaxi-Angebot.

Uber setzt auf Partnerschaften statt eigene Flotte

Interessant ist auch die Rolle von Uber. Statt Robotaxis als Bedrohung zu behandeln, positioniert sich der Konzern als Plattform für autonome Flotten und investiert über 10 Milliarden US-Dollar in Partnerschaften, unter anderem mit Rivian, Lucid, Nuro und Waabi. Bis 2028 sollen in bis zu 28 Städten Robotaxi-Dienste über die Uber-App verfügbar sein, ohne dass Uber selbst Fahrzeuge entwickelt. Diese Strategie zeigt, dass sich der Markt nicht nur über Technologieführer wie Waymo entwickelt, sondern auch über Vermittlungsplattformen, die bestehende Nutzerbasis und Vertriebsstruktur einbringen.

Bremsende Faktoren: Regulierung und Hardwarekosten

So dynamisch der Ausblick klingt, die Analyse benennt auch klare Bremsen:

Diese Punkte erklären, warum die Marktprognosen bis 2035 reichen und nicht bis 2027: Die technische Machbarkeit ist in einigen Regionen bereits gegeben, die breite Skalierung braucht aber Zeit, Kapital und regulatorische Klarheit.

Ausblick: Bleibt das eigene Auto trotzdem relevant?

Trotz aller Dynamik erwarten Experten laut der Analyse keinen vollständigen Abschied vom privaten Autobesitz. Ein zentrales Argument: Sobald autonome Technik nicht nur in Flottenfahrzeugen, sondern auch in privat gekauften Autos verfügbar wird, könnte ein eigenes Fahrzeug seinen Reiz behalten, einfach weil es jederzeit verfügbar ist, individuell ausgestattet werden kann und keine Wartezeit auf ein Fahrzeug bedeutet. Genannt wird in diesem Zusammenhang die Kooperation zwischen Waymo und Toyota, die genau in diese Richtung zielt: autonome Fahrfunktionen als Ausstattungsmerkmal statt als reines Flottenprodukt.

Regionale Unterschiede werden größer, nicht kleiner

Auch geografisch zeigt sich ein differenziertes Bild. Städte wie San Francisco, Phoenix, Dubai oder Wuhan sind bereits heute Vorreiter für Carsharing- und Robotaxi-Flotten, während andere Regionen aus regulatorischen oder infrastrukturellen Gründen deutlich langsamer sind. Für Deutschland bedeutet das: Wer die Entwicklung beobachten will, sollte sowohl auf gesetzliche Rahmenbedingungen als auch auf einzelne Pilotprojekte in Großstädten achten. Einen Überblick über den technologischen Reifegrad, der solchen Flottenmodellen zugrunde liegt, gibt außerdem der Beitrag zu den SAE-Leveln des autonomen Fahrens, weil sich hieran ablesen lässt, wie nah ein Fahrzeug tatsächlich am vollautonomen Betrieb ist.

Was das für Elektroauto-Besitzer konkret bedeutet

Für die Zielgruppe dieses Portals, also Menschen, die ein Elektroauto besitzen oder sich für eines interessieren, ergeben sich aus dieser Entwicklung mehrere praktische Punkte:

  1. Die Nutzungsintensität wird wichtiger als bisher: Wer wenig fährt, sollte die Rechnung Robotaxi versus Eigenbesitz künftig regelmäßig neu aufstellen.
  2. Wachsende Flotten bedeuten wachsenden Bedarf an Ladeinfrastruktur, was auch etablierte Themen wie Wallbox-Installation und öffentliche Ladekarten indirekt beeinflusst.
  3. Autonome Flotten könnten dazu führen, dass sich das eigene Fahrzeug künftig stärker über Zusatzfunktionen wie automatisiertes Laden differenziert statt nur über Reichweite oder Preis.
  4. Städte, die stark auf autonome Flotten setzen, werden ihre Ladeinfrastruktur anders planen müssen als heute, was langfristig auch private Ladepunkte beeinflussen kann.

Insgesamt zeichnet sich ab, dass sich die Frage, ob ein eigenes Auto noch sinnvoll ist, in den kommenden zehn Jahren nicht einheitlich beantworten lässt, sondern je nach Wohnort, Fahrprofil und lokalem Angebot sehr unterschiedlich ausfällt. Wer heute ein Elektroauto plant, tut gut daran, die Entwicklung rund um autonome Flotten im Blick zu behalten, denn sie wird die Rahmenbedingungen für Mobilität in deutschen Städten der Zukunft in den nächsten Jahren spürbar verändern.

Ergänzendes Video

Während es im ersten Video vor allem um die Auswirkungen von Robotaxis auf den Fahrdienst-Markt geht, zeigt dieses Video den konkreten Wettlauf von Waymo, Volkswagen und Uber um autonome Flotten in europäischen Städten und liefert damit die regionale und wirtschaftliche Perspektive auf die Zukunft des Carsharings.

Quelle: INDUSTRIEMAGAZIN – Robotaxis in Europa: Das Milliardenrennen zwischen Waymo, Volkswagen und Uber

Häufige Fragen

Werden Robotaxis das eigene Auto komplett ersetzen?

Nach aktuellen Prognosen eher nicht vollständig. Robotaxis werden vor allem in Großstädten mit dichtem Angebot günstiger als ein eigenes Auto, auf dem Land und bei häufiger Nutzung bleibt ein eigenes Fahrzeug aber oft die wirtschaftlichere und flexiblere Wahl.

Ab wann sind Robotaxis günstiger als ein eigenes Auto?

Laut McKinsey-Analysen könnten die Kosten pro Meile bis 2035 von rund 8 auf etwa 1,32 US-Dollar fallen. In Großstädten wie Washington D.C. verschiebt sich damit die Schwelle für einen wirtschaftlichen Autobesitz auf rund 7.500 gefahrene Meilen pro Jahr.

Welche Unternehmen treiben den Robotaxi-Markt aktuell an?

Am weitesten ist Waymo mit über 500.000 bezahlten Fahrten pro Woche in den USA. Daneben treiben Tesla, Baidu mit Apollo Go sowie Uber als Plattformpartner für mehrere Flottenanbieter die Entwicklung voran.

Gibt es Robotaxis schon in Deutschland?

Im großen Stil noch nicht. Deutschland hat strengere Zulassungsvorschriften als etwa die USA oder China, einzelne Testprojekte laufen jedoch bereits. Details zum aktuellen Stand liefert der Beitrag zur Rechtslage für Robotaxis in Deutschland.

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