Waymo One in den USA: Städte, Kosten & Erfahrungen
Autonomes Fahren

Waymo One in den USA: Städte, Kosten & Erfahrungen

6 Min. · Stand: 12.07.2026

Waymo One: Das fahrerlose Robotaxi der USA im Alltagstest

Waymo One ist der bekannteste kommerzielle Robotaxi-Dienst der USA und für viele deutsche Elektroauto-Interessierte ein Blick in eine Zukunft, die in Deutschland noch Zukunftsmusik ist. Anders als klassische Fahrassistenzsysteme, die Fahrerinnen und Fahrer lediglich unterstützen, übernimmt Waymo One die komplette Fahraufgabe. Es gibt keinen Sicherheitsfahrer mehr am Steuer, das Fahrzeug navigiert eigenständig durch Kreuzungen, Baustellen und dichten Stadtverkehr. Wer sich fragt, was ein Robotaxi von einem gewöhnlichen Taxi oder Mietwagen unterscheidet, findet in Waymo One das derzeit reifste Beispiel dieser Technologie im Praxiseinsatz.

Für deutsche Leserinnen und Leser ist Waymo besonders deshalb relevant, weil der Dienst zeigt, wohin sich Mobility-as-a-Service entwickeln kann, wenn autonomes Fahren, Elektroantrieb und App-basierte Buchung zusammenkommen. Wie die Technologie hinter dem System im Detail funktioniert, erklären wir separat im Beitrag Waymo erklärt: Wie der Robotaxi-Pionier wirklich funktioniert. In diesem Artikel geht es um die praktische Seite: Welche Städte werden bedient, was kostet eine Fahrt wirklich, und wie fühlt sich das Fahrerlebnis nach vielen Fahrten tatsächlich an. Als Grundlage dient ein ausführlicher Langzeittest, bei dem ein Reviewer über mehrere Wochen rund 300 Meilen mit Waymo One zurückgelegt hat, statt sich auf eine einzelne kurze Testfahrt zu verlassen.

Quelle: iPhonedo: WAYMO 300 Miles Later | In-Depth Review

300 Meilen Langzeittest: Die wichtigsten Erkenntnisse

Waymo One in den USA: Städte, Kosten & Erfahrungen
Waymo One fährt in Teilen der USA bereits komplett ohne Sicherheitsfahrer. Ein Langzeittest über 300 Meilen ze

Der Wert eines Langzeittests liegt darin, dass sich einmalige Ausreißer und einzelne gute oder schlechte Fahrten relativieren. Nach 300 gefahrenen Meilen über mehrere Wochen entsteht ein deutlich belastbareres Bild als nach einer einzigen Fahrt vom Flughafen ins Hotel. Genau diesen Ansatz verfolgt der zugrunde liegende Test, und die Ergebnisse lassen sich in mehrere klare Themenblöcke gliedern.

Die Fahrzeuge und die Technik dahinter

Waymo setzt auf umgerüstete Elektrofahrzeuge, darunter der Jaguar I-PACE sowie neuere Modelle, die mit einem umfangreichen Sensor-Set aus Kameras, Radar und LiDAR ausgestattet sind. Diese Kombination erlaubt es dem System, die Umgebung in Echtzeit dreidimensional zu erfassen und Entscheidungen zu treffen, ohne dass ein Mensch eingreifen muss. Dass ausgerechnet Elektrofahrzeuge zum Standard für Robotaxis geworden sind, ist kein Zufall: Der hohe Rechenaufwand für Sensorik und KI benötigt viel elektrische Energie, die sich in ein Elektroauto deutlich einfacher integrieren lässt als in einen Verbrenner. Wer die Hintergründe dazu vertiefen möchte, findet sie im Beitrag Warum selbstfahrende Autos (fast) immer elektrisch sind.

Kosten im Vergleich zu Uber und Lyft

Ein zentrales Ergebnis des Tests betrifft den Preis: Waymo-Fahrten liegen im Schnitt spürbar über vergleichbaren Fahrten mit Uber oder Lyft, je nach Strecke und Tageszeit etwa 15 bis 30 Prozent teurer. Gleichzeitig entfällt bei Waymo das Trinkgeld, das in den USA bei klassischen Ride-Hailing-Diensten üblich ist und den Endpreis oft um weitere 15 bis 20 Prozent erhöht. Auf längeren Strecken relativiert sich der Aufpreis dadurch deutlich, auf kurzen Fahrten bleibt Waymo tendenziell die teurere Option. Ein ausführlicher Vergleich verschiedener Mobilitätsformen findet sich im Beitrag Kosten-Vergleich: Robotaxi vs. eigenes Auto vs. Taxi.

Die App als zentrales Erlebnis

Ein wesentlicher Unterschied zu klassischen Ride-Hailing-Diensten liegt in der App-Erfahrung. Da kein Fahrer vor Ort ist, übernimmt die App zahlreiche Funktionen, die sonst durch persönlichen Kontakt geregelt würden:

Diese durchgängige Digitalisierung des gesamten Ablaufs, von der Buchung bis zum Ausstieg, wird im Test als einer der überzeugendsten Aspekte beschrieben, weil sie das Gefühl von Kontrolle vermittelt, obwohl niemand am Steuer sitzt.

Fahrverhalten im dichten Stadtverkehr

Beim Fahrverhalten zeigt sich Waymo in komplexen Situationen wie Kreuzungen, unübersichtlichen Spurwechseln, Baustellen und bei Fußgängern durchgehend vorsichtig-defensiv. Das schafft ein hohes Sicherheitsgefühl, führt aber gelegentlich zu längeren oder etwas ungewöhnlichen Routen, weil das System lieber einen Umweg fährt, als ein unklares Manöver zu riskieren. Über die 300 Meilen hinweg gab es zudem vereinzelte Eigenheiten, etwa kurzes Zögern in ungewöhnlichen Verkehrssituationen. Solche Momente werden nicht als grundsätzliches Sicherheitsproblem eingeordnet, gelten aber als Hinweis darauf, dass die Technologie trotz ihrer Reife noch Grenzen hat. Wie solche Entscheidungsprozesse technisch ablaufen, erklärt der Beitrag LiDAR, Radar & Kamera: Wie selbstfahrende Autos ihre Umgebung erkennen.

Verfügbarkeit: Nicht flächendeckend, sondern städtespezifisch

Wichtig für die Einordnung ist, dass Waymo One keineswegs in den gesamten USA verfügbar ist. Der Dienst konzentriert sich auf ausgewählte Kernstädte und Teilgebiete, darunter:

  1. Phoenix und Chandler in Arizona, eine der ersten und am weitesten ausgebauten Regionen
  2. San Francisco Bay Area mit dichtem innerstädtischem Netz
  3. Los Angeles mit schrittweise wachsendem Bediengebiet
  4. weitere Städte wie Miami sowie Austin und Atlanta (dort in Kooperation mit Uber), die seit 2025/2026 schrittweise hinzugekommen sind

Die Expansion in weitere Städte erfolgt langsam und schrittweise, meist begleitet von Testphasen mit menschlicher Rückfallebene, bevor der komplett fahrerlose Betrieb freigegeben wird. Nach 300 gefahrenen Meilen fällt das Fazit im Test insgesamt positiv aus: Trotz Aufpreis und punktueller Kinderkrankheiten überwiegt das Vertrauen in die Technologie, Waymo One wird als alltagstaugliche Alternative zu klassischen Ride-Hailing-Diensten beschrieben.

Ausblick: Was Waymo für Deutschland und die E-Mobilität bedeutet

Auch wenn Waymo One aktuell ein rein amerikanisches Phänomen ist, lohnt sich der Blick über den Atlantik, weil sich hier Trends abzeichnen, die auch den deutschen Markt betreffen werden. In Deutschland ist ein vergleichbarer kommerzieller Betrieb ohne Sicherheitsfahrer rechtlich noch nicht möglich, die genauen Rahmenbedingungen und geplanten Testprojekte erläutert der Beitrag Robotaxi in Deutschland: Rechtslage, Testprojekte & Zeitplan. Während US-Anbieter wie Waymo, Zoox oder Tesla bereits reale Nutzungsdaten sammeln, befindet sich die deutsche und europäische Entwicklung noch stärker in der Erprobungsphase mit begrenzten Level-3-Systemen im Privatfahrzeug.

Ein Aspekt, der in der öffentlichen Diskussion oft zu kurz kommt, ist die Ladeinfrastruktur hinter solchen Flotten. Ganze Robotaxi-Flotten aus Elektrofahrzeugen benötigen ein durchdachtes Lademanagement, damit Fahrzeuge zwischen den Fahrten zuverlässig einsatzbereit bleiben, ohne den Betrieb zu unterbrechen. Wie Städte diese Herausforderung angehen, beschreibt der Artikel Robotaxi-Flotten & Ladeinfrastruktur: Die Herausforderung für Städte. Für private Elektroauto-Besitzer in Deutschland bleibt das Thema Laden im Alltag ohnehin zentral, unabhängig davon, ob autonome Flotten künftig eine größere Rolle spielen. Grundlagen dazu liefert unser Elektroauto laden: Der komplette Guide.

Langfristig deutet vieles darauf hin, dass sich Robotaxi-Dienste wie Waymo One und private Elektromobilität zunehmend überlappen werden. Sinkende Batteriekosten, wachsende Sensorik-Erfahrung aus Millionen gefahrenen Meilen und zunehmender regulatorischer Druck auf klassische Verbrenner-Flotten sprechen dafür, dass elektrische Robotaxis in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen, sowohl in den USA als auch mittelfristig in Europa. Für deutsche Elektroauto-Interessierte lohnt sich daher ein regelmäßiger Blick auf Entwicklungen wie Waymo One: Sie zeigen praxisnah, welche Erwartungen an Kosten, Komfort und Sicherheit realistisch sind, bevor ähnliche Angebote irgendwann auch auf deutschen Straßen ankommen.

Ergänzendes Video

Während das erste Video eine technisch-ausführliche Langzeit-Review nach 300 gefahrenen Meilen liefert, zeigt dieses deutschsprachige Video den persönlichen, ungeschönten Ersteindruck einer echten Waymo-Fahrt in San Francisco samt kritischem Fazit.

Quelle: Everlast AI – Meine erste Fahrt im Robotaxi in San Francisco (ehrliches Fazit)

Häufige Fragen

Ist Waymo One in ganz den USA verfügbar?

Nein. Der Dienst ist auf ausgewählte Kernstädte und Teilgebiete beschränkt, dazu zählen Phoenix und Chandler in Arizona, die San Francisco Bay Area und Teile von Los Angeles, seit 2025/2026 zunehmend auch Miami sowie Austin und Atlanta in Kooperation mit Uber. Eine flächendeckende Abdeckung der USA gibt es weiterhin nicht, auch wenn sich die Expansion zuletzt deutlich beschleunigt hat.

Ist Waymo One teurer als Uber oder Lyft?

Im Schnitt liegen Waymo-Fahrten je nach Strecke und Tageszeit etwa 15 bis 30 Prozent über vergleichbaren Uber- oder Lyft-Fahrten. Da bei Waymo kein Trinkgeld anfällt, relativiert sich der Aufpreis besonders auf längeren Fahrten.

Sitzt bei Waymo One wirklich niemand am Steuer?

Richtig, Waymo One fährt in den bedienten Gebieten komplett fahrerlos, ohne Sicherheitsfahrer im Fahrzeug. Buchung, Fahrzeug-Ortung und der Einstieg laufen vollständig über die App.

Gibt es einen vergleichbaren Dienst in Deutschland?

Bisher nicht in diesem Umfang. In Deutschland laufen erste Testprojekte und rechtliche Rahmenwerke für autonomes Fahren, ein kommerzieller Robotaxi-Betrieb ohne Sicherheitsfahrer wie in den USA existiert aktuell noch nicht.

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